Sprachen lernen

Welkom, Bienvenue and Willkommen – great plaisire to heb you here!

Englisch wird in Deutschland und Belgien vor allem von jüngeren Leuten, in den Niederlanden von so gut wie allen gesprochen. Doch auch ein Sammelsurium an gängigen Ausdrücken und Körpersprache hilft bei der Verständigung über die Grenzen der Euregio.

Der Halbstaat Neutral-Moresnet war sogar das einzige Territorium mit Esperanto als offizieller Amtssprache. Kein Wunder angesichts der Sprachenvielfalt direkt am Dreiländereck (das Gebiet um Kelmis war umstritten zwischen Deutschland, den Niederlanden und später Belgien. Mit eigenständiger Gesetzgebung und verschiedenen Privilegien, bestehend zwischen 1816-1919).

Warum Niederländisch oder Französisch?

Englisch ist weit verbreitet, besonders im niederländischen Teil der Euregio. Zum interkulturelles Lernen, vor allem aber zum wirklichen Ankommen und Verstehen ist die Landessprache fast unerlässlich. In jedem Fall eröffnet sie viele weitere Möglichkeiten bei der Arbeitssuche und der (akademischen) Karriere in nächster Nähe.

Erste Schritte

Neben privaten und halb-öffentliche Anbieter wie der SprAachen GmbH gibt es auch vielerlei öffentliche Einrichtungen mit breit gefächertem Angebot. Euregionale und andere Sprachen lehren bspw. die Volkshochschulen in Deutschland, Bibliotheken und Taalcafés (Website NL) in den Niederlanden und das Maison de Langues in Lüttich.

Auch wer sich an Sprachen wie Türkisch, Italienisch oder Arabisch herantraut: Im Nachbarland kann man diese oft einfacher oder authenthischer Nutzen, ganz einfach weil es womöglich keine andere gemeinsame Sprache gibt.

Lernen mit den Einheimischen

Sie können sich dafür entscheiden, Niederländisch, Flämisch (und sogar Limburgisch) als Internationaler in Maastricht oder Hasselt zu lernen. Oder auch in Eupen, Lüttich oder Verviers, wodurch man die Euregio aus ganz neuen Blickwinkeln kennen lernen kann. Was auch immer sich anbietet, wir haben ein paar Quellen für individuelles Lernen und Gruppenaktivitäten wie Buddy-Programme zusammengestellt. Linguacluster stellt standardisiertes Material über die Euregio Maas-Rhein, ihre Menschen, Traditionen, Sehenswürdigkeiten und Sprachen zur Verfügung – zum kostenlosen Download in DE//FR/NL.

Früh übt sich

Überall in der Euregio Maas-Rhein, vor allem aber im deutschsprachigen Ostbelgien und der Region Aachen, tragen Grund- und weiterführende Schulen das Label “Euregioprofilschulen”. Sie unterrichten Inhalte und Sprachen aus den Nachbarländern und beteiligen sich an grenzüberschreitenden Austauschprogrammen. 

Klicken Sie hier und "singen" Sie mit:

Nordrhein Westfalen Deutschsprachige Gemeinschaft Provinz Lüttich Provinz Limburg (BE) Provinz Limburg (NL) DE BE NL

Deutsch / Duits / Allemand

Aller Anfang ist schwer: Ja, Deutsch gehört zu den schwierigeren Sprachen. Aber für den Anfang ist die Grammatik nicht wirklich wichtig, und seien Sie sicher, dass es auch schwierigere Grammatiken gibt. Außerdem teilt das Deutsche viele Vokabeln mit dem Englischen. Aller “Beginn” ist daher schon leichter.

Übung macht die Meisterin: Schämen Sie sich nicht, Fehler zu machen. Artikel sind nicht alles.  Wenn Sie sich mit Muttersprachler:innen immer noch schwer tun: In den Niederlanden oder Belgien finden Sie gleich hinter der Grenze viele Menschen mit ähnlichen Schwierigkeiten

Tipps & Tricks

Material

  • Umfangreiche Sammlung an (kostenlosem) Online-Material von make-it-in-germany zum Deutschlernen online
  • Klasse! Abenteuer-Reihe, Community-Kurse: Hier finden Sie eine große Unterstützung für Ihr Deutsch

Hintergrund

Eins, Zwei, Drei - Start!

Füllwörter zum Durchatmen

Als Erste-Hilfe-Maßnahme verschaffen inhaltslose Füllwörter mehr Zeit. Mehr Zeit für den Aufbau komplizierter grammatikalischer Strukturen. Hier einige Beispiele:

– Achso

– naja

– mmh

Lernen Sie von Muttersprachler*innen, diese Wörter lassen Sie authentisch klingen. Sie geben Ihnen eine kleine Pause, ohne aus der Konversation auszusteigen.

Authentische Aussprache

Einfache Regeln helfen bei der Verbesserung der Aussprache. Wann immer ein Wort auf “-er” endet, sprechen Sie es nicht als “-er” aus. Geben Sie ihm einfach ein “-a:”, eine Art Glottalstopp. Das lässt Ihr Deutsch viel natürlicher klingen, aus “Wieder in Heinsberg” wird in etwa “Wieda in Heinsbeag”. Probieren Sie es aus!

Internationales, improvisiertes Deutsch

Viele Englische Wörter haben germanischen Ursprung (EN) – mit ein bisschen Glück können Sie eigene Wörter bilden

  • S anstatt t: Wasser statt water, Besser statt better 
  • F oder Pf anstatt P: Apfel statt appel, hoffen statt to hope
  • Beachten Sie die vielen Ähnlichkeiten: Great – Groß; State – Staat; Room – Raum und unendlich viele mehr

Francais / Französisch / Frans

Zu Beginn: Wenn Sie sich auf Entdeckungsreise begeben, aber Ihrem Französisch noch nicht allzu sehr trauen: In Orten wie Gemmenich und Plombières große Chancen, Einheimische zu finden, die Sie in jeder Sprache verstehen. Mit etwas Glück können Sie den besonderen  Dialekt aufschnappen – Französisch, Deutsch, Limburgisch und Flämisch. Kein Wunder so nah am Dreiländereck.

Fortgeschrittene: Wenn Sie mehr von dieser Sprache beherrschen, sind Sie bereit für Verhandlungen auf hohem Niveau: Vielleicht gelingt es Ihne zu feilschen, bei la Batte – einem der größten (Floh-)Märkte Europas, immer sonntags, am Ufer der Maas.

 

Allez!

Mehr Zeit durch Füllwörter

Unabhängig vom Niveau helfen Füllwörter, Zeit zu gewinen .Finden Sie weitere Tipps und Beispiele wie

  • alors
  • bah oui
  • tu vois
  • bon
  • donc

Authentische Aussprache

Wenn Ihnen das Lernen von Vokabeln zu lange dauert, können Sie schnell wenigstens authentischer klingen mit dem, was Sie schon beherrschen. Dabeihelfen u.a. sechs Tipps aus “easy French“.

Internationaler Wortschatz

Die normannischen Invasoren exportierten viele französische Begriffe auf die britischen Inseln, etwa 30 %. Diese Begriffe kennen Sie wahrscheinlich schon aus dem Englischen, ein Anfang ist gemacht:

Grundsätzlich hat alles, was “schick” oder “liebenswert” klingt, seine Wurzeln im Französischen, und alle Wörter mit den folgenden Endungen:

  • -tion (information, acceleration, attention)
  • -ssion (mission, passion)
  • -able (admirable, capable)
  • -isme (racisme)
  • -ive (creative)

Une langue adorable

Zwei Sätze im Vergleich, Wörter französischen Ursprungs kursiv:

  • We hope, that this information will benefit your passion and capability to creatively learn languages.
  • Nous esperons que ces informations va bénéfiter votre passion et capabilité pour creativement apprendres les langues.

Dutch / Nederlands / Niederländisch / Néerlandais

350.000 Belgier*innen lernen Niederländisch als Fremdsprache. Von den mehr als 35.000 Deutschen, die Niederländisch lernen, leben viele in Grenznähe, wo man diese Sprache sogar bis zum Abitur lernen kann. Das Expat Centre Limburg hat umfangreiches Material zum Niederländischlernen gesammelt.

Om te beginnen: Grammatik und Wortschatz machen diese Sprache zu einer “tief hängenden Frucht” für Deutschsprachige mit Englischkenntnissen. Allerdings ist Englisch in den Niederlanden so weit verbreitet, dass das Üben des Niederländischen schwierig werden kann. Tun Sie im schlimmsten Fall so, als ob Sie kein Englisch können – und beachten Sie insgeheim das große Potenzial an englischsprachigen Arbeitsmöglichkeiten gerade in den Niederlanden!

Geavanceerd: Sie werden feststellen, dass Menschen aus Belgisch-Limburg eher bereit sind, mit Ihnen Niederländisch zu sprechen. Natürlich haben Sie zum Üben auch die Möglichkeit, aus den Fernseh- und (weit verbreiteten) Radioprogrammen der beiden Länder zu wählen. Und nicht zuletzt haben Sie rund um Aachen und in Maastricht gute Chancen, Ihr Niederländisch auch unter Nicht-Muttersprachler*innen zu üben.

Prima!

Zwei Arten, Niederländisch in zwei Ländern zu sprechen

Flämisch: Die belgische Sprachsituation kann verwirrend sein. Orientieren Sie sich bei “International House Leuven”, welche Sprache unter Flämisch, Französisch, Deutsch oder einfach Englisch für Sie die richtige Wahl ist.

Niederländisch wird in Belgien tendenziell als näher an dem wahrgenommen, was geschrieben wird. Die Aussprache neigt dazu, einen recht hohen Druck und Genauigkeit zu haben, so dass kaum ein Buchstabe ausgelassen wird, außer dem “g” und “ch”. In Belgien ist dieser Kehllaut fast verschwunden, während er in den Niederlanden gut erkennbar ist.

Holländisch: Das Niederländische in den Niederlanden klingt tendenziell eher “amerikanisch”, nicht zuletzt, weil das “r” zunehmend “rollt”. Anders als in Flandern sprechen die Holländer*innen ein “s” als etwas zwischen “s” und “sch” aus. Die Buchstaben “g” und “ch” sind die herausragendsten Laute, da sie tief in die Kehle gehen. In der Euregio sind jedoch, wie überall in den südlichen Niederlanden, Dialekte (Limburgisch) noch weit verbreitet und “mildern” die Einflüsse der holländischen Standardsprache.

Füllwörter füllen Zeit

Sie verschaffen Ihnen Zeit zum Nachdenken, halten Sie im Gespräch und geben Ihrer Rede ein authentisches Gefühl

  • Zeg maar (sozusagen)
  • Nou (also)
  • allemaal, helemaal
  • toch? (oder nicht?)

Authentische Aussprache

Mit diesen wenigen einfachen Regeln können Sie beim Lesen von Wörtern so ziemlich alles aussprechen.

  • “g” und “ch” kommen direkt aus der Kehle, sehr sanft in Flandern oder sehr stark im Norden (vgl. Aussprache bei “Maastricht”)
  • “oe” ist das, was “u” im Deutschen ist
  • “u” ist das, was “ü” auf Deutsch ist
  • “sch” ist nicht “sch” wie im Deutschen, sondern etwas zwischen “sr” und “shr”
  • “Z” klingt wie eine Biene
  • “ui” klingt etwa wie “öj”

Internationalismen, einfacher Wortschatz

Eine gute Nachricht, wenn Sie bereits Englisch und/oder sogar Deutsch beherrschen: Niederländisch hat viel mit diesen Sprachen gemeinsam, so dass die Chancen für Improvisationen gut sind.

  • Wereld (World, Welt)
  • Huis (House, Haus)
  • Zon (Sun, Sonne)

Und viele, viele mehr:

  • Klein (Klein)
  • Groot (Groß)
  • Kind (Kind)

Es lohnt sich also, dranzubleiben. Versuchen Sie es für den Beginn einmal mit dem niederländischen Wikipedia-Eintrag zu Ihrer Heimatstadt. Bekanntes versteht man immer leichter.

Kölsch / Öcher und Dürener Platt

Ähnlich wie das Limburgische ist das Kölsche / Öcher Platt für seinen melodischen Klang bekannt. Die Menschen aus dieser Gegend “singen” nicht nur. Man sagt ihnen auch nach, dass sie “carpe diem” den Augenblick leben, ohne allzu viele Sorgen mit Blick auf Morgen. Mit der Besonderheit der “rheinischen Verlaufsform” “ist man etwas am machen”, “gerade am singen” oder man “ist am Karneval feiern”. Rein grammatikalisch in jedem Fall  besonders dem Moment verhaftet, auch wenn hier einige Klischees strapaziert wurden.

Wenn Sie einen Eindruck von dieser Sprachvariante bekommen wollen, bietet Ihnen Kölschrock “Verdamp lang her” oder Karnevalsmusik (meist aus Köln) einen guten Zugang. Zu den bekanntesten der über hundert Evergreens gehören Lieder wie “Et Trömmelche”, und (das nur zum Teil dialektale) “Viva Colonia”.

Unentstehend finden Sie Stücke aus seinem Buch “Jertrud & Hermann. Schmunzelgeschichten von Oma und Opa” sowie “Oma Jertrud – Schmunzelgeschichten aus dem Rheinland“. Mit großem Dank an Dieter Hermann Schmitz zur Nutzung auf dieser Seite, siehe unten!

Textauszüge aus den Mundartbüchern von Dieter Hermann Schmitz “Oma Jertrud. Schmunzelgeschichten aus dem Rheinland” (Neuauflage 2020) sowie “Jertrud & Hermann. Rheinische Schmunzelgeschichten von Oma und Opa” (3.Aufl. 2005), beide erschienen im Verlag Mainz, Aachen.

Mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor.

 
Euregionales Reisen vor Schengen

(Dialekt wird in Anführungszeichen wiedergegeben, Übersetzungen ins Hochdeutsche in eckigen Klammern):

Mein Opa und meine Oma wurden auf ihre alten Tage zu eifrigen England-Reisenden: mit dem Zug bis Ostende (Belgien) und auf die Fähre nach Dover.

Solche Reisen glichen immer generalstabsmäßig geplanten Expeditionen. Mein Opa begann mindestens drei Tage vor der Abfahrt damit, Pässe und Fahrkarten bereitzulegen. Unterhosen wurden abgezählt und gebügelt im Koffer verstaut. Der Arzt wurde konsultiert, ob alle Impfungen noch wirksam seien. Für die Reiseapotheke wurden Spalt-Tabletten, Abführmittel und eine Vorratsflasche “4711” [Parfüm aus Köln] gekauft. Mein Opa kontrollierte im Sechs-Stunden-Takt auf den Fahrplänen vom Reisebüro die Abfahrts- und Ankunftszeiten von Zügen und Fähren, was durch unterschiedliche Ortszeiten ins unermesslich Komplizierte gesteigert wurde.

“Bes dauch net ‘e su iggelisch!”, mahnte dann meine Oma zur Ruhe. Vergebens! [Sei nicht so ungeduldig/nervig]

Die Brötchen wurden ab- und die Lokalzeitung umbestellt. Der Kühlschrank abgetaut. Dann konnte es endlich losgehen. Kurz vor der Abfahrt erfolgte eine letzte Befragung: ob auch an alles gedacht und nichts vergessen worden sei?! Herd aus? Fernseher ausjesteckt? Telefon abjestellt?

Endlich saßen Opa und Oma im Zug, zusammen mit zwei schweren Koffern und einer Tasche mit Reiseproviant, der für drei Wochen gereicht hätte. Kurz nach Aachen erschien dann ein belgischer Zöllner im Zugabteil und wollte die Pässe sehen. Mein Opa suchte in seiner Manteltasche, dann in seiner Rocktasche, schließlich in allen Reisetaschen.

“Ja häste denge Pass net bej disch?”, ärgerte sich meine Oma, was selten genug vorkam. [Ja hast du deinen Pass nicht bei dir?]

“Eh-nee,” musste mein Opa kleinlaut gestehen, “der litt doheim om Fenste’brett parat!” – [Eh-nein […] der liegt zu Hause auf dem Fensterbrett bereit]

“Jo, da litt he joot!”, meinte meine Oma. [Ja, da liegt er gut!]

Solche Eskapaden kamen auf ihren Reisen öfters vor.

Wetterbedingungen
Aus dem Buch “Jertrud & Hermann.
Schmunzelgeschichten von Oma und Opa” von Dieter Hermann Schmitz (alles in Dialekt ist in Anführungszeichen wiedergegeben):
 

Opa Hermann kannte sich in der Weltpolitik aus, Oma Jertrud sich mit Menschen. So ergänzten sie sich irgendwie. Sie saßen oft auf der Bank im Hof und unterhielten sich über Jott und die Welt: Opa pfiff dabei seine Liedchen und drehte Däumchen vor seinem dicken Bauch. Und meinte dann zum Beispiel:

“Isch jlöv et widd
düüster.” [Ich glaube es wird dunkel]

“Meens’ de et?” [Meinst du das?]

Dann pfiff Opa ein
Viertelstündchen weiter.

“Is et disch net kaalt,
Oma?” [Ist dir nicht kalt, Oma]

“Isch weeß et net.” [Ich weiß es nicht]

“Wie –  isch weeß et net?” [Wie – ich weiß es nicht?]

“Saare’ me: Nee.” [Sagen wir: Nein]

Zehn Minuten später
meldete sich Opa wieder zu Wort:

“Lott me renn jonn!” [Lass uns ins Haus gehen!]

“Häste att Honger?” [Hast du schon Hunger?]

“Och… net ombedenk’….” [Ach, nicht unbedingt]

“Do lott me nauch jett
waade…” [Dann lass mich noch etwas warten]

“Isch könnt  ävver att jett äeße….” [ihr könnt aber schon etwas essen]

“Jo, do lott me renn jonn.” [Ja, lass uns rein gehen]

Kann es bei den gekrönten Häuptern aus den Grimm’schen Märchen romantischer zugegangen sein? Schwer vorstellbar.


Süße Fluchten
Aus dem Buch “Jertrud & Hermann.
Schmunzelgeschichten von Oma und Opa” von Dieter Hermann Schmitz (dialekt in Anführungszeichen):
 

Die erste Frage von uns Kindern nach Schokolade wurde meist abgeschmettert: “Nee, Jong, höck net!” [Nein, heute nicht] Minuten später durfte man den zweiten Versuch machen.

“Oma, biste sicher, dat du kein Schokolad’ mehr has’? Jaaanz sicher?”

Dann gab sich Oma den Eindruck, angestrengt nachzudenken. “Isch weeß et mäh net. Am Eng hann isch eres noch im Schaaf…? Isch möht ens luhre jonn?” [Ich weiß es nicht ganz. Am Ende habe ich vielleicht doch noch etwas im Schrank…? ….ich müsste mal gucken gehen. Müsste, sagte sie! Besser zu verstehen als: könnte. Denn tatsächlich gucken zu gehen, fiel ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht ein. Sie tat alles mögliche: Wäsche bügeln, Gläser spülen, Teppichfransen kämmen, auf ihrem Stuhl sitzen und durchs Fenster gucken …. aber auf keinen Fall in irgendwelchen Schränken nachsuchen. Sie erweckte Hoffnungen und ließ uns zappeln. Es war zum wahnsinnig werden. Der Schokoladen-Heißhunger verursachte bereits erste Entzugserscheinungen.

“Oma, wat liescht denn da drüben….?”

Unsere Oma hatte die Gabe, ihre Schokolade so auffällig unauffällig zu verstecken, dass sie einem geradezu ins Auge springen musste. Zum Beispiel unter einem Deckchen auf der Anrichte. Das Deckchen warf Beulen, als würde sich ein Hamster drunter verstecken. Und wenn man Oma auf die “Fundorte” längst verloren geglaubter Schokolade hinwies, spielte sie die Verdutzte:

“Och… Luhr disch dat ens aa’! Jlövste hee litt nauch e’ Stöckelsche he’röm??” [Ach… guck sich das mal einer an! Glaubst du es, hier liegt noch ein Stückchen herum??]

Sie langte unter das Deckchen und holte eine angebrochene Tafel hervor – und brachte damit Kinderaugen zum Leuchten. Die zarteste Versuchung seit es Großmütter gibt! Meine Oma brach sich ein Stückchen Schokolade ab und schob es sich genießerisch in den Mund. Und als wäre diese Frage nötig gewesen, meinte sie: “Jong, willste och e’ Stöckelsche hann?” Ein eiliges, zustimmendes Nicken – und dann war man endlich am Ziel seiner Träume angelangt: EIN Stückchen Schokolade.

Exzerpt aus “Jertrud & Hermann.
Schmunzelgeschichten von Oma und Opa” von Dieter Hermann Schmitz.

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In einem Radius von wenigen Kilometern spricht man gleich 3 Sprachen in vielfältigen Variationen. Leben und Arbeiten in der Euregio ist um vieles leichter, wenn man einander auch in der Muttersprache versteht.

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